Bilanz: Arbeitslosenquote war im Jahr 2021 im Schnitt bei 2,6 Prozent



2021 – der regionale Arbeitsmarkt kann sich dem Vorkrisenniveau wieder annähern.

(ir) „Die großen Herausforderungen für den überregionalen, wie auch den regionalen Arbeitsmarkt, waren im vergangenen Jahr die Folgen der Pandemie, die Fachkräfteengpässe, die Transformationsprozesse in der Industrie sowie eine zunehmende Knappheit von Bauteilen und Rohstoffen. Vor allem in den ersten Monaten 2021 zeigte sich dies sehr deutlich. Durch den Einsatz unterstützender Arbeitsmarktinstrumente, hier in erster Linie das Kurzarbeitergeld, konnte zwar Entlastung geschaffen werden, dennoch stieg die Zahl arbeitsuchender Menschen in der Region, im Februar auf einen Höchststand von 9.265.



Im weiteren Jahresverlauf, bedingt durch eine Lockerung der pandemiebedingten Einschränkungen und einer deutlich anziehenden Nachfrage, entspannte sich Situation allmählich, so dass im letzten Quartal wieder von einer stabilen Vollbeschäftigung in der Region gesprochen werden konnte. Die genannten Themen werden uns sicherlich auch im neuen Jahr beschäftigen. Die kommenden Wochen sollten zeigen, in welchem Umfang dies der Fall ist.“ fasst Johannes Kolb, Leiter der Agentur für Arbeit Ingolstadt, die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Agenturbezirk Ingolstadt für das vergangene Jahr zusammen.



Nach vielen Jahren des Anstiegs sozialversicherungspflichtiger Arbeitsverhältnisse in der gesamten Region war 2020 erstmalig ein Rückgang zu vermelden. Im vergangenen Jahr veränderte sich diese Zahl kaum. 223.812 Personen und damit rund 200 weniger als ein Jahr zuvor waren zum Stichtag 30. Juni in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Diese Entwicklung stellt sich für die einzelnen Branchen unterschiedlich dar. Während die Arbeitnehmerüberlassung, die Metall- und Elektroindustrie und das Verarbeitende Gewerbe spürbar Personal abbauten, nahm die Beschäftigung im Dienstleistungssektor, insbesondere im Gesundheitswesen, der öffentlichen Verwaltung sowie im Bereich Information und Kommunikation merklich zu.



Bedingt durch Witterungseinflüsse und den zweiten Lockdown erreichte die Arbeitslosigkeit im Februar seit Corona-Ausbruch ihren Höhepunkt. Die Beschäftigungslosigkeit stieg auf 9.265 Personen an. Zum Vergleich: Zwei Jahre zuvor im Februar 2019, lag dieser Wert noch bei 6.485. Dennoch gelang es im Jahresverlauf, die Arbeitslosigkeit deutlich zu reduzieren. Mit Beendigung der Einschränkungen hellte sich die Stimmung in Wirtschaft und Bevölkerung auf, die Kurzarbeit ging spürbar zurück und der Personalbedarf nahm zu. Ende des Jahres waren noch 6.059 Bürgerinnen und Bürger von Arbeitslosigkeit betroffen. Blickt man auf den gleichen Zeitpunkt vor der Pandemie (Dezember 2019), waren 394 Personen weniger gemeldet, das Vorkrisenniveau also weit weniger deutlich überschritten als noch zu Jahresbeginn. Jahresdurchschnittlich waren im vergangenen Jahr 7.475 Menschen arbeitslos gemeldet. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um 319, gegenüber 2019 eine Zunahme um 1.732.



Im Schnitt pendelte sich die Arbeitslosenquote 2021 bei 2,6 Prozent ein, 0,1 Punkte weniger als vor Jahresfrist, 0,6 Punkte mehr als 2019. Mit Blick auf die beiden Rechtskreise Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung, ist festzuhalten, dass die Jobcenter in der Region im zurückliegenden Jahr zwar einen Zuwachs an Arbeitslosen gegenüber 2020 hatten, die weit überwiegende Zahl derer, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, jedoch bei der Agentur für Arbeit gemeldet war.



Parallel zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit verliefen auch Zugang und Bestand offener Stellen. Zwar wurden den Vermittlungsfachkräften der Agenturen in Ingolstadt, Eichstätt, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen 2021 insgesamt 8.035 vakante Arbeitsplätze und damit 825 mehr als noch 2020 zur Besetzung gemeldet, dennoch waren dies 2.429 weniger als 2019. Jahresdurchschnittlich konnten Arbeitssuchende im vergangenen Jahr auf 3.583 Beschäftigungsmöglichkeiten zurückgreifen, ein Jahr davor waren es 3.443, 2019 noch 4.527. Die Nachfrage nach Arbeitskräften war über das gesamte Jahr 2021 eher zurückhaltend. Es ging sicherlich nach wie vor in erster Linie darum, gut eingearbeitetes Personal auch in schwierigen Zeiten halten zu können.



Im zurückliegenden Ausbildungsjahr meldeten die Betriebe aus der Region für den Ausbildungsbeginn im September insgesamt 3.723 Berufsausbildungsplätze. 3.177 Ausbildungsverträge konnten schließlich auch abgeschlossen werden. Diese Zahl liegt um 189 oder 5,6 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres und ist gleichzeitig der niedrigste Wert der vergangenen zehn Jahre. Auch die gemeldeten Bewerber um eine Lehrstelle nahmen erneut, wenn auch geringfügig, ab. 2.570 junge Menschen meldeten sich ausbildungssuchend bei der Agentur für Arbeit, im Jahr davor waren es noch 179 mehr. Ein Trend, der, vor allem vor dem Hintergrund des bestehenden Fachkräftemangels, mit Sorge zu betrachten ist.



Die Zahl der Anträge lag im Jahr 2021 zwar deutlich unter dem vorangehenden Jahr, dennoch war die Gewährung von Kurzarbeitergeld auch in den vergangenen zwölf Monaten das wichtigste Werkzeug zur Beschäftigungssicherung. 1.790 Betriebe zeigten in 2021 Kurzarbeit für insgesamt 30.208 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 waren es noch 5.807 Betriebe, die Arbeitsausfälle für insgesamt rund 94.000 Beschäftigte planten.



Auch 2021 investierte die Arbeitsagentur Ingolstadt intensiv in Leistungen der aktiven Arbeitsmarktförderung, wie beispielsweise Weiterbildung, Eingliederung, Gründungszuschüsse und Leistungen für Jugendliche. Ein zunehmender Anteil fließt hiervon in die Förderung Beschäftigter. Insgesamt wurde die aktive Arbeitsmarktförderung mit fast 16,2 Millionen Euro unterstützt. Für den Bereich der beruflichen Rehabilitation und die Förderung schwerbehinderter Menschen beliefen sich die Leistungen im Jahr 2021 auf rund 13,30 Millionen Euro. Mit fast 222 Millionen Euro bildeten die existenzsichernden Leistungen, hier enthalten Arbeitslosengeld und Kurzarbeitergeld, den größten Posten in der Bilanz. Dies ist vergleichbar mit dem vorangegangenen Jahr.